Uri liegt im Herzen der Schweiz, rund um den langen südlichen Arm des Vierwaldstättersees, den die Einheimischen Urnersee nennen. Steile, bewaldete Hänge steigen hier direkt aus dem Wasser auf, und dahinter verengt sich das Tal und steigt zum Gotthardmassiv an, einer der großen Wasserscheiden der Alpen. Uri ist einer der Urkantone, die 1291 die Schweizerische Eidgenossenschaft gründeten, und die Region bewegt sich noch immer im Tempo, das ihr die Geschichte vorgegeben hat: kleine Dörfer in Seitentälern, Kühe auf steilen Weiden und Kirchenglocken, die die Stunden markieren statt Verkehrslärm.
Dies ist ein Kanton für langsame Tage statt für lange Checklisten. Altdorf, die Kantonshauptstadt, hält die Legende von Wilhelm Tell lebendig – mit einer Statue auf dem Hauptplatz und einem kleinen Museum zur Geschichte –, ist aber ansonsten ein ruhiges Marktstädtchen, dessen Tempo besser zu einem Morgenkaffee passt als zu einem hastigen Fotostopp. Weiter unten am See liegt Flüelen direkt am Wasser. Bürglen, Tells vermutlicher Geburtsort, bewahrt seine eigene Kapelle und ein ihm gewidmetes Archiv. Weiter oben im Tal hat sich Andermatt von einem Bauerndorf zu einem kleinen alpinen Ferienort entwickelt, ohne seinen alten Steinhauskern zu verlieren.
Die Landwirtschaft prägt in Uri noch immer den Alltag. Die Alpweiden oberhalb der Dörfer werden im Sommer zur Heuernte genutzt, und viele Familien treiben ihr Vieh weiterhin für die wärmeren Monate auf die Hochalpen – einem Rhythmus folgend, der Alpaufzug genannt wird. Kleine Sennereien auf diesen Alpen verarbeiten die Sommermilch zu Bergkäse, der oft direkt auf dem Hof oder auf Dorfmärkten verkauft wird. Die örtlichen Restaurants halten ihre Speisekarten meist kurz und saisonal, aufgebaut um diesen Käse, Trockenfleisch und was der kurze alpine Sommer an Gemüse hergibt.
Der Gotthardpass hat die Geschichte Uris mehr geprägt als fast alles andere. Jahrhundertelang war er die wichtigste Verbindung zwischen Nord- und Südeuropa, und die alte gepflasterte Straße führt noch immer über den Pass, vorbei an Steinbrücken und Rastposten, die für Maultierkarawanen und frühe Reisende errichtet wurden. Abseits des Passes bieten Uris Seitentäler ruhigeres Wandergebiet: das Schächental unterhalb der Klausenstraße, das Maderanertal mit seinen Gletscherblicken und zahllose kleinere Wege, die ein Dorf mit dem nächsten durch Lärchenwälder und offene Alpen verbinden.